Die Geschichte vom Engel der Route 66


Die Geschichte vom Engel der Route 66


 

 

Die Route 66. Motherroad.
Für viele Menschen heute wie damals der Inbegriff von Freiheit, Aufbruch und Abenteuer

 

Route 66 in Amboy

 

Aber wie kam es eigentlich dazu? Die Geschichte vom Engel der Route 66

Ab 1926 galt die Route 66 als eine der ersten befestigten Straßenverbindungen zum Westen der USA: Bis dahin führten die Wege oft über den Steppenboden der Prärie.
Die Route 66 verband damals Chicago mit Santa Monika (Los Angeles).

3944 km war sie lang und das Ende war dort, wo heute der Vergnügungspark auf dem Pier in Santa Monika ist.

Hier endet die Historic Route 66 – auf dem Pier in Santa Monica / Los Angeles

Heute ist die Route 66 nicht mehr durchgehend befahrbar.

 

 

Die Geschichte vom Engel der Route 66

Die Geschichte beginnt in Seligman.

 

Seligman ist ein kleiner Ort in Arizona an der Historic Route 66. Gar nicht weit weg von Las Vegas oder dem Grand Canyon.

Eine sehr schöne Lage für das kleine Örtchen, denn viele Menschen passierten damals zu Route-66-Zeiten das Örtchen auf dem Weg ins 650 km entfernte Los Angeles.

Bei uns stand Seligman ganz weit oben auf der Wunschliste. Warum?
In Vorbereitung auf unseren Roadtrip habe ich viel über unsere möglichen Reiseziele gelesen und in vielen Reiseberichten tauchte immer wieder Seligman auf. Ich gebe zu, diesen kleinen Ort hatte ich zunächst gar nicht so auf dem Schirm, aber je mehr ich darüber las, desto mehr verliebte ich mich schon beim Lesen in diesen Ort und in die Menschen dort  –  und darum sind andere Ziele unserer eigentlichen Route wie zB Tucson wieder gestrichen worden. 
Bereut haben wir das nicht. 

Im Gegenteil, als wir uns nach dem Besuch vom Monument Valley und dem Grand Canyon Flagstaff näherten, wurden wir aufgeregt – nervös. 
Denn kurz hinter dem kleinen Örtchen begann unser Abenteuer Route 66. 

Zugegeben, es war nur ein kurzer Abstecher auf die ‘Motherroad’ . Nur 2 Nächte. Mehr passte nicht in unseren ohnehin schon straffen Zeitplan. 

Insgesamt 3 Wochen waren die Kinder und ich an der Westküste der USA unterwegs. Aufregend war alles. Ein Abenteuer. Nur meine 3 Kinder und ich unterwegs im Wohnmobil.
Niemals abseits der Touristenpfade, das war sicherer. Gesehen haben wir bis zur Ankunft in Flagstaff schon viel. Jeden Tag ein neues großartiges Ziel. Ein Roadtrip eben, mit dem Wohnmobil.
Schöner kann man die Westküste der USA kaum bereisen. 

Freiheit pur und immer mittendrin. Mittendrin in der großartigen Natur. Mittendrin in den Großstädten. Mit dem Wohnmobil durch Los Angeles oder Las Vegas war nervenaufreibend. Mit dem Wohnmobil im Bryce Canyon, im Monument Valley oder am Grand Canyon dafür umso schöner.
Es war atemberaubend, einmal inmitten dieser grandiosen Naturwunder sein zu dürfen.

Und nun stand das nächste große Highlight an: Die Route 66! 

 

Die ersten Schilder kündigten Seligman an. Unsere Aufregung stieg! 

 

Bei der Einfahrt wirkt Seligman zunächst unscheinbar. Bald aber schon erkennt man, welch wundervolle Route-66-Perle sich dahinter verbirgt

 

Die Geschichte von Seligman und der Route 66 

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Im Amerikanischen Bürgerkrieg verloren zwei Familien aus den Südstaaten alles, was sie hatten. Sie gaben ihr Land auf und zogen daraufhin nach Westen. Sie übernahmen ein kleines Gebiet von den Cherokee-Indianern und gründeten zwischen 1889 und 1891 das heutige Seligman.

Angel Delgadillo wurde am 19. April 1927 in Seligman geboren und wuchs in dem kleinen Ort direkt an der Route 66 auf.
Als er noch ein Kind war, erlebte er, wie hunderttausende Farmer aus Arkansas und Oklahoma nach den verheerenden Dürrejahren über die Route 66 nach Kalifornien zogen.
Der weltberühmte Roman “Früchte des Zorns” von John Steinbeck aus dem Jahr 1939 thematisiert dies.

Für die meisten Orte – wie zum Beispiel Seligman – war die Route 66 der Hauptwirtschaftsfaktor. Es wurden Tankstellen, Hotels / Motels und Restaurants errichtet und die Einnahmen daraus wurden für die meisten Bewohner zur Lebensgrundlage.

Die Route 66 war einspurig, teilweise sehr kurvig und führte auch durch die Berge (Heute noch gut zu sehen beim “Sitgreaves Pass” östlich von Oatman) .
Daher war die Strasse irgendwann nicht mehr ausreichend für den zunehmenden Verkehr.
Nach und nach wurden große, breite Interstates gebaut und die Orte der Route 66 wurden mehr und mehr vom Durchgangsverkehr abgeschnitten.
Die Orte an der Route 66 drohten zu sterben und auch das kleine Örtchen Seligman betraf diese Entwicklung.

Im September 1978 wurde ein wichtiges Teilstück vom Interstate Highway 40 eröffnet und so wurde Seligman praktisch von heute auf morgen vom Durchgangsverkehr abgeschlossen, die Einnahmen durch die Durchgangs-Reisenden blieben komplett aus.

Seligman drohte zur Geisterstadt zu werden.

Der Friseur Angel Delgadillo hat sich diesem Problem angenommen. Er aktivierte Anwohner anderer Orte, welche an der Route 66 lagen und das gleiche Schicksal hatten, die Strasse und die Orte wieder attraktiv für Reisende zu machen, damit diese Orte nicht völlig sterben und in Vergessenheit geraten würde.
Er und die anderen Anwohner von Seligman und den Nachbarorten schlossen sich zusammen. Sie trafen sich im Friseursalon von Angel in Seligman und beschlossen, sich dafür einzusetzen, dass die Route 66 als “State Historic Route” anerkannt und geschützt wird.

1987 – nach einem fast 10-jährigen und zudem zermürbenden Kampf – hatten sie damit endlich Erfolg. Die alte Route 66 wurde zur “State Historic Route”. Zusammen mit diesen anderen Vertretern gründete Angel Delgadillo daraufhin ebenfalls noch im Jahr 1987 die Route 66 Association, welche sich mittlerweile auch in den anderen Bundesstaaten darum bemüht, die Touristen wieder auf die Historische Route 66 zu locken.

Die Orte in der Nähe von Sehenswürdigkeiten wurden bunt, lebendig und liessen mit ihren Gebäuden, ihren Menschen und ihrem Spirit den Geist der alten Route 66 wieder aufleben. Den Touristen gefiel das. Es wurde eine Welle der Nostalgie ausgelöst und immer mehr Touristen fuhren die Historische Route 66. Das Teilstück zwischen Seligman und Oatman gilt als besonders malerisch und der Ort lebte wieder auf.

Angel und die anderen Vertreter anderer kleineren Route 66 Orte hatten ihr Ziel erreicht. Teile der Route 66 und ihre Orte sind wieder zum Leben erwacht.

Angel gilt als “Schutzengel der Route 66” oder “Vater der Mother Road”.


Ohne seinen Einsatz gäbe es Seligman und viele weitere kleine Orte an der Historischen Route 66 nicht mehr!

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Ich nehme euch nun mit auf unserem Spaziergang durch Seligman 

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Wir hofften sehr, Angel zu treffen, denn er arbeitet noch immer in seinem Barber-Shop, direkt daran angeschlossen betreibt sein Sohn einen Souvenir-Shop. 

 

Der Laden von Angel und Vilma Delgadillo. Unser erstes Ziel! Und das wichtigste, denn hier hat man gute Chancen, Angel persönlich zu treffen 

 

Wenn Angel nicht persönlich im Laden ist, steht ein lebensgroßer Papp- Angel in seinem Laden

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Angels Friseursalon in Seligman wurde zum Treffpunkt der Route 66 Fans, welche den Salon mehr und mehr mit Andenken aus aller Welt dekorierten.
Inzwischen gibt es im Salon auch einen Souvenirshop, welcher u.a. von seinem Sohn betrieben wird.
Wir haben uns dort ein paar Route-66- T-Shirts gekauft und mit Angels Sohn geplaudert. Angel selber war leider nicht im Laden. Schade. 

Übrigens: Kennt ihr den Animationsfilm “Cars”?
Der fiktive Ort Radiator Springs basiert zu einem sehr großen Teil auf Seligman. Der Filmemacher John Lasseter hat sich bei seiner Recherche über die Route 66 mit Angel beraten und dieser erzählte dem Filmemacher seine ganz persönliche Geschichte über seinen Ort, seinen drohenden Untergang und die Wiederauferstehung.

 

Weiter geht es durch den Ort. Es wirkt fast wie eine Filmkulisse. Wir fühlen uns in eine andere Zeit versetzt, und es gibt soviel zu entdecken! 

 

Die Kinder begaben sich in Seligman auf die Spuren von “Cars” – und wurden an mehreren Stellen fündig

 

Inzwischen hat Seligman Kultstatus, ein bunter und lebendiger Ort, wo es für Erwachsene und für Kinder soviel zum entdecken gibt.

 

Der Spirit der Route 66 ist überall in dem kleinen bunten Ort zu fühlen

 

 

 

 

In Seligman wehte tatsächlich einer von diesen bekannten Strauchkugeln über die Strasse, dabei ist der Ort alles andere als ruhig und einsam. Er ist bunt, fröhlich und die Leutchen dort sind immer zu einem Späßchen bereit

Wusstet ihr eigentlich, dass diese Kugeln Dornenbüsche sind? Anfassen sollte man sie besser nicht, tut ziemlich weh ….. ^^

 

Das ist das “Delgadillo’s Snow Cap”. Dies ist ein Imbiss von Angels Bruder Juan.
Ich hatte viel gelesen und war gespannt, was uns dort erwarten würde, denn einfach hinein gehen und ein Eis bestellen funktioniert hier nicht. 
Jeder Gast wird mindestens einmal auf den Arm genommen und natürlich (und zu unserer Freude) wurden auch wir nicht verschont! 
Das fing schon beim Betreten des Ladens an, denn von den vielen Türgriffen funktionierte nur einer. 
Das kleine Eis, was meine Tochter bestellte, war dann wirklich sehr winzig und so ging es dann die ganze Zeit weiter. 
An dieser Stelle möchte ich nicht zuviel verraten, aber es war lustig und das Eis hätten wir beinahe vergessen. 
Wir hatten Tränen in den Augen vor lachen! 

Wenn ihr in Seligman seid – besucht unbedingt das Snow Cap  – ein unvergessliches (und lustiges) Erlebnis! 
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Seligman gilt durch das Engagement von Angel Delgadillo als Geburtsstätte der Historischen Route 66 und ist auf jeden Fall einen Abstecher wert.
Am besten bleibt man aber gleich ein paar Tage. Übrigens hat Seligman inzwischen auch deutsche Spuren. Es gibt Hotels, Shops und Cafes / Restaurants, welche von Deutschen geführt werden. Das erklärt auch die vielen deutschen Nummernschilder, welche viele Gebäude in Seligman dekorieren.

 

Es ist kaum mit Worten zu beschreiben, welcher Zauber von diesem kleinen Ort ausgeht. Hier lebt man die Nostalgie der Route 66, hier spürt man den Flair und die Lebensfreude im ganzen Ort.

Die Kinder erzählen noch sooft vom Besuch dort und vor allen von den Menschen dort!
Sie möchten unbedingt noch einmal dorthin – “Aber dann übernachten wir da auch und bleiben länger!”

Hoffentlich klappt das irgendwann, denn auch ich träume davon und jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, spüre ich die Sehnsucht wieder sehr deutlich.

 

Die Geschichte vom Engel der Route 66

Habt ihr Lust, uns noch etwas weiter auf der Route 66 zu begleiten?

 

 

Die Route 66 zwischen Seligman und Los Angeles

 

Von Seligman aus führt ein sehr malerischer Teil der Route 66 Richtung Westen.

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Der Hackberry General Store

 

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Nach ca 100 km erreicht man den Hackberry General Store. Er scheint zunächst unscheinbar, aber ein Stop lohnt sich sehr. Fast fühlt es sich an, als wäre man in die Vergangenheit gereist, wenn man sich die auf dem Gelände verteilten Raritäten der 50er und 60er anschaut. Im Store selber gibt es neben Kaffee und Snacks auch noch Allerlei Raritäten zu bestaunen und selbstverständlich kann man auch ein Route-66 Souvenir für sich kaufen.

 

 

 

 

Der Hackberry General Store

 

Weiter führt die Fahrt dann über Kingman Richtung Oatman.

 

 

 

Direkt vor Oatman liegt der zum Sitgreaves Pass, ein verschlungener Bergabschnitt der Route 66. Er gilt als einer der schönsten Abschnitte. 

Am Anfang vom Sitgreave Pass befindet sich die Cool Springs Station, eine alte (aber neu aufgebaute) Gas Station im Retro-Route-66-Look.Hier lohnt sich ebenfalls definitiv ein Foto-Stop!

Die Cool Springs Station an der Historic Route 66

 

 

So ganz einfach zu fahren war er mit dem großen Wohnmobil nicht, aber es gibt viele Möglichkeiten, rechts anzuhalten, um Autos vorbei fahren zu lassen und / oder Fotos der atemberaubenden Landschaft zu machen

> Der Pass auf Google Maps < 

 

 

 

 

 

 

8 Meilen vor Oatman kündigen bereits erste Schilder die in und um Oatman lebenden ‘wilden’ Esel an

 

Oatman ist eine ehemalige Goldgräberstadt. Die Esel sind die Nachkommen der damaligen Lastenesel, welche man einfach sich selbst überließ, als der Goldrausch vorbei war. Sie leben zwar wild, lassen sich jedoch gerne von den Touristen füttern

 

 

Route-66-Zeichen auf der Strasse vor Oatman

Wer nicht zurück nach Las Vegas fährt, sondern weiter Richtung Los Angeles, der kann noch einen weiteren Stop in Amboy einlegen.
Amboy lag früher als weit und breit einziger Ort an der Route 66 und war somit die Anlaufstation für viele Durchreisende, welche tanken mussten, etwas essen wollten oder eine Übernachtungsmöglichkeit suchten.
Nach dem Bau der Interstate verfiel die Stadt, erst mit der aufkommenden Route-66-Nostalgie lebte er auch wieder etwas auf und ist heute mit seinen doppelten Route-66-Zeichen auf der Strasse und dem alten Motel-Sign ein sehr beliebter Fotostop.

 

 

 

 

 

Lust auf die Route 66 bekommen? Irgendwann werden wir ja hoffentlich wieder reisen dürfen. 

Seligman und das Teilstück der Route 66 kann  man wunderbar mit zwei weiteren Highlights verbinden: dem Grand Canyon und Las Vegas!

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Routenvorschlag von Las Vegas für einen 8-tägigen Mini-Roadtrip mit 3 tollen Highlights:

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Tag 1: Flug nach Las Vegas

Tag 2: Fahrt nach Grand Canyon Village (450 km / ca 5 Std Fahrt), Sonnenuntergang am Grand Canyon 

Tag 3: Grand Canyon – Erkundung vom Grand Canyon in beide Richtungen (Nutzung vom Shuttle empfohlen, denn mit dem Auto kann man nicht alle Aussichtspunkte anfahren) 

Tag 4: Fahrt zur Route 66. [Heute insgesamt ca 300 km]

  • Station 1: Williams. Idealer Ort zur Einstimmung auf die Route 66 mit tollen Fotomotiven, zB Pete’s Route 66 Gas Station Museum (95 km / ca 1 Std.)
  • Station 2: Seligman (70 km)
  • Station 3: Hackberry (knapp 100 km ausschließlich auf der Historic Route 66)
  • Station 4: Kingman (45 km) – Übernachtung

 

Tag 5: Route 66.

  • Oatman (50 km / knappe Std Fahrt)
  • Fahrt zum Hover Dam (165 km / 2 Std Fahrt)
  • Fahrt nach Las Vegas(60 km / 45 Min Fahrt)

 

Tag 6: Las Vegas

Tag 7: Las Vegas oder schon Rückflug

Tag 8: Rückflug nach Deutschland

 

 

Vielen Dank, dass ihr wieder mit dabei ward ! 

Es würde mich sehr freuen, wenn ihr einen Kommentar hinterlasst oder diesen Beitrag teilt. 

Es ist eine schwierige Zeit für uns alle, auch die Reisebranche leidet extrem unter den vorherrschenden Umständen. 
In meiner Reiseblogger- Gruppe berichten nahezu alle, dass auch scheinbar niemand mehr Reiseberichte lesen möchte zur Zeit 

Dabei ist das doch so eine schöne Möglichkeit, zumindest virtuell zu verreisen, gedanklich einmal ganz woanders zu sein. 
Alle Sorgen für einen Moment vergessen. 

Daher werde ich auch weiterhin hier meine Berichte schreiben.
Wenn auch nur ein einziger Leser sich darüber freut und für einen kurzen Moment alles andere vergessen konnte, hat es sich schon gelohnt! 

 

Ich wünsche euch allen ein schönes Osterfest.
Geniesst das schöne Wetter (Zumindest hier im Münsterland scheint grad die Sonne) , macht das Beste aus der Situation. 

 

Ihr seid nicht alleine !!!!! 

 

Bleibt gesund

 

 

 

 

 

  

 

 

 


 



 

USA - Roadtrip an der Westküste