• Urlaub in Schweden – aber Medikamente zu Hause vergessen …. was tun?

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    Erst einmal muss ich mich entschuldigen, dass dieser Bericht so lange auf sich warten ließ ….
    Privat bin ich zur Zeit sehr eingespannt mit Renovierung, Umzugsvorbereitung, Hochzeitsvorbereitungen (…. von meiner Schwester, nicht von meiner, bevor Gerüchte aufkommen) Job und Kinder.
    Dazu kommt aber, dass ich im Moment 3 kleine Findelkinder bei mir habe. Die Tierheime und privaten Pflegestellen sind völlig überlastet und daher springe ich dann gelegentlich bei so etwas ein.

    Zwei kleine Kätzchen, welche bei uns im Ort gefunden wurden ….

    Lucky und Luna

    …. und ein kleines Katerchen, welches unsere Nachbarn auf der Strasse liegend im Nachbarort aufgegabelt haben ….

    Felix

    Felix hat es ziemlich erwischt. Ein Auto ist ihm über die Hinterbeine gefahren. Drückt dem kleinen Kerlchen mal die Daumen, er ist so ein Kämpfer. Das hat sogar schon der Tierarzt bemerkt.

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    Wo wir schon beim Thema Medizin sind …..

     

    Manchmal helfen auch die besten Packlisten nichts, … angekommen im Ferienhaus in Schweden stellten wir fest, dass wir doch  etwas wichtiges vergessen haben:
    Ein Medikament für meine Mutter

     

    Was also tun? Wir spielten alle möglichen Szenarien durch. Das Medikament 2 Wochen weglassen? Nein, absolut keine Option. Per Post schicken? Auch das würde ein paar Tage dauern.
    Uns blieb keine andere Wahl, als uns das Medikament in Schweden irgendwie zu besorgen …

    Das schwedische Gesundheitssystem ist gut ausgebaut. Es ist staatlich organisiert und wird zum größten Teil durch Steuern finanziert. So ist eine Grundversorgung für die Schweden garantiert.

    Wie auch in Deutschland versucht man aber Kosten zu minimieren. Es gab auch in Schweden in der Vergangenheit viele Reformen, welches zu Problemen führte, welche man auch in Deutschland kennt: Lange Wartezeiten für Termine, Personalmangel, höhere Selbstbeteiligungen und auch in Schweden mussten aufgrund der Reformen einige Krankenhäuser schliessen.

    Trotz allem gilt das schwedische Gesundheitssystem als fortschrittlich und sehr modern.

    Die Schweden gehen im Allgemeinen seltener zum Arzt als die Deutschen. Das liegt zum einen an den teilweise langen Wartezeiten, welche viele abschrecken, zum anderen aber auch vermutlich daran, dass die Schweden viel mehr Eigenverantwortung sich selbst gegenüber haben als die Deutschen. Daher führt für viele bei einer Erkrankung der erste Weg in die Apotheke.

    Auch typische stationäre Rehabehandlungen gibt es in Schweden nicht so, wie man es aus Deutschland kennt.

    Wir haben eine Deutsche Auswanderin getroffen, welche seit Jahrzehnten in Schweden lebt. Sie bekam eine neue Hüfte und wurde schon nach kurzer Zeit nach Hause entlassen. Den Schweden stehen natürlich viele Möglichkeiten einer ambulanten Reha zur Verfügung, aber sie müssen sich selber organisieren und werden nicht durch dieses ganze System der Nachsorge geführt wie es in Deutschland üblich ist.

    Grundlegende Informationen rund um Ärzte, Gesundheitsversorgung und Krankenhäuser findet man auf der offiziellen Internetseite von “Sveriges landsting och regioner”:  http://www.1177.se/

    Die Notfallnummer für Polizei, Feuerwehr, Notarzt und Ambulanz ist 112.

     

    Wo man in den meisten deutschen Supermärkten Zigaretten findet, gibt es in Schweden frei verkäufliche Medikamente

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    Ist man als Tourist in Schweden und benötigt medizinische Hilfe, geht man zu einer der Vårdcentral (Behandlungszentrale) . Die Öffnungszeiten sind meistens Montag -Freitag von 8.00 – 17.00 Uhr.

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    Es gibt eine Internetseite, bei welcher man die nächste Vårdcentral  suchen kann:

    >> Karte öffnen <<

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    Bei akuten medizinischen Notfällen oder ausserhalb der Öffnungszeiten sucht man ein Krankenhaus (Sjukhus) auf.

    Auch hier gibt es eine hilfreiche Übersichtskarte, wo man das nächste Krankenhaus findet:

    >> Karte öffnen <<

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    Zwischen Schweden und allen EU – Ländern besteht das Sozialversicherungsabkommen. Das bedeutet, dass den Touristen bei Vorlage der EU – Versicherungskarte eine medizinische Behandlung zu den gleichen Bedingungen wie den Schweden garantiert wird.

    Die EU – Versicherungskarte findet ihr auf der Rückseite eurer Krankenkassenkarte.

    Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)

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    Es wird pro Besuch der Ambulanz eine Gebühr zwischen 10 und 30 € erhoben. Muss man ins Krankenhaus, zahlt man knapp 10 € pro Tag zu. Daher ist eine Auslandskrankenversicherung sinnvoll.

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    Bei uns lag kein medizinischer Notfall vor. Es war ein Medikament, welches einer der Mitreisenden zu Hause vergessen hat … geschuldet war das wohl dem holprigen Start in den Urlaub, …. es war klar, dass wir irgendwas vergessen und das Medikament war auch nicht das einzige, was zu Hause blieb …..   Trotz Listen und mehrfacher Kontrolle…..

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    Daher führte uns einer der ersten Wege in Schweden zur  Vårdcentral nach Tranås, der nächstgelegenen größeren Stadt.

    Vårdcentral in Tranås

     

    Dort angekommen zieht man erst einmal eine Nummer. Die Schweden lieben dieses System. Nummern ziehen und warten… Wird uns noch häufiger begegnen in diesem Urlaub

    Nummer ziehen direkt am Eingang

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    Und dann warten, bis die Nummer oben aufleuchtet

     

    Als unsere Nummer oben aufleuchtete, gingen wir zu der Rezeption. Urlaub in Schweden – aber Medikamente zu Hause vergessen

    Dort meldeten wir uns an, zeigten die EU – Versicherungskarte und zahlten die Gebühr. Übrigens mit EC-Karte mit V-Pay Funktion. Damit konnte ich fast überall in Schweden zahlen.

    An der Rezeption entscheidet sich dann, ob man direkt einen Kontakt mit einem Arzt braucht oder ob es ausreicht, mit der “beratenden Krankenschwester” zu reden. Diese steht zwischen Arzt und Patient und soll die Ärzte entlasten.

    Wir bekamen ein Schild in die Hand gedrückt und sollten im Wartebereich Platz nehmen.

    Hm, was steht da auf dem Schild?

    Die Gelegenheit, mal mein Übersetzungsprogramm mit Lesefunktion zu testen.

    Mit der Kamera las das Programm den Text und übersetzte ihn.

    Das Ergebnis:

     

    Erweiterte Käse- Baumwolle?! Urlaub in Schweden – aber Medikamente zu Hause vergessen

    Ist das irgendein Code für schusselige Touristen?!

    Ich schaute mich um. Neben uns saß ein Mann und hielt ebenfalls so ein  Erweiterte Käse-Baumwolle-Schild fest. Er las eine schwedische Zeitung, also nahm ich an, er ist ein Schwede.
    Zumindest konnte er schwedisch. Und er würde bestimmt kein Schild halten, auf welchem “Erweiterte Käse- Baumwolle” steht …..

    Also gab ich den Text bei einer bekannten Suchmaschine mit Übersetzungstool ein.

    Ahhhhh, das macht schon mehr Sinn!

    Beratende Krankenschwester. Wir brauchten ja auch nur ein Medikament, sonst nichts.

    Es dauerte nicht sehr lange bis wir aufgerufen wurden.

     

    Das Behandlungszimmer sah aus wie eines in Deutschland. Urlaub in Schweden – aber Medikamente zu Hause vergessen

    Ich erklärte der Krankenschwester auf englisch, was wir brauchten. Ausserdem hatte ich mir zwischenzeitlich von meiner Schwester ein Foto von dem Medikament schicken lassen. Schon praktisch, wenn jemand bei uns zu Hause wohnt, wenn wir weg sind.

    Sie klärte das kurz mit einem Arzt, kam dann zu uns zurück und machte ein Rezept fertig. Dieses bekamen wir aber nicht in die Hand gedrückt, sondern es wurde per Mail an eine bestimmte Apotheke übermittelt.

    Sie nannte uns die Adresse der Apotheke, wohin das Rezept gemailt wurde und das war es dann auch schon. Sehr unkompliziert.

    Wir fuhren dann zu der Apotheke.

    “Unsere” Apotheke war in einem Einkaufzentrum 

    Es gibt zwei Bedienbereiche. Einer ist für alles frei verkäufliche, der andere ist für Rezeptpflichtige Medikamente. “Recept” steht oben drüber, sieht man auch auf meinem Foto oben 

    Und auch da wieder: Nummer ziehen und warten 

     

     

    Als wir an der Reihe waren, legte ich die EU – Versicherungskarte vor, damit die Angestellte den Namen erfuhr. Sie konnte sogar deutsch. 

    Das Medikament war vorrätig. Ich hatte Angst, dass wir es nun komplett bezahlen müssten und das wäre nicht wenig gewesen. 

    Aber auch hier wird mit der Krankenkasse abgerechnet, wir mussten nicht einmal zuzahlen. 

    Das Medikament in der Tasche waren wir gleich um einiges entspannter. Es war erfreulich, dass das alles so unkompliziert abgelaufen ist. 

    Trotzdem werden wir bei nächsten Urlaub unsere Packliste noch genauer kontrollieren! 

     

    Im nächsten Bericht gibt es wieder mehr von Schwedens wundervoller Landschaft, denn wir fahren einmal um den Sommensee. Es würde mich freuen, wenn ihr dann wieder dabei seid

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