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Polnische Hochzeit in Südpolen: Kirche, Traditionen und unsere Reise nach Leżajsk

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Vor einigen Jahren waren wir in Polen zu einer Hochzeit eingeladen, genauer gesagt nach Leżajsk im Südosten des Landes. Leżajsk liegt in der Woiwodschaft Karpatenvorland, nicht weit von der ukrainischen Grenze entfernt. Für uns war diese Reise nicht nur eine Familienfeier, sondern auch ein Einblick in eine Region, in der der katholische Glaube im Alltag sehr sichtbar war: volle Kirchen, Marienstatuen, Wegekreuze und Gottesdienste, die teilweise per Lautsprecher nach draußen übertragen wurden.

Gereist sind wir damals mit unserer kleinen Tochter. Die Anreise bestand aus einem kurzen Flug, der Mietwagenübernahme in Kattowitz und einer langen Weiterfahrt Richtung Osten.


Praktische Tipps zum Thema Reisen mit Kindern findet ihr in meinem Beitrag Fliegen mit Kindern und Reisen mit Baby, Kindern und Teenagern 
und Unser erster Flug mit 3 kleinen Kindern, Ziel: Mallorca

 

Leżajsk, Südpolen und das Karpatenvorland

Wer nach Südpolen reist, landet häufig in Kattowitz oder Krakau und kann von dort aus sehr unterschiedliche Regionen erreichen: die historische Altstadt von Krakau, das Salzbergwerk Wieliczka, die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau bei Oświęcim, die Tatra rund um Zakopane, die Pieninen mit dem Dunajec-Durchbruch und weiter östlich das Karpatenvorland mit Städten wie Rzeszów, Przemyśl oder Leżajsk.

Unsere Reise war damals kein klassischer Polenurlaub, sondern eine Familienreise zu einer Hochzeit von Freunden in Leżajski.
Trotzdem bekamen wir unterwegs einen ersten Eindruck davon, wie vielseitig diese Region ist.

Der Powiat Leżajski ist ein Landkreis in der polnischen Woiwodschaft Karpatenvorland. Der Kreis hat eine Fläche von 583,01 km² und rund 69.000 Einwohner.
Leżajsk selbst ist vor allem durch seine Basilika, das Bernhardinerkloster und die historische Orgel bekannt.


Anreise nach Südpolen

Wir sind mit unserer Tochter zusammen mit zwei Verwandten des Bräutigams mit Wizz Air geflogen. Entgegen der vielen negativen Berichte, die es damals über Billigflieger gab, lief bei uns alles ohne Probleme. Geflogen sind wir ab Dortmund nach Kattowitz.

Mit Kleinkind war vor allem das bevorzugte Boarding hilfreich. Wir durften früher einsteigen, konnten in Ruhe das Handgepäck verstauen und hatten keinen unnötigen Stress im Gang. Der Flug selbst war kurz und unkompliziert. Der anstrengendere Teil kam danach: Ab Kattowitz mieteten wir ein Auto und fuhren noch mehrere Stunden weiter Richtung Osten, vorbei an Krakau und vielen anderen Orten. Damals gab es leider keine bessere Flugverbindung.

Wer heute eine ähnliche Reise plant, sollte also nicht nur auf den Flug und evtl. Flugkosten schauen. Entscheidend ist auch die Weiterfahrt ab Flughafen.

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Günstige Flüge findet ihr entweder direkt auf der Seite von Wizz Air oder über eine Flugsuche wie Kayak.
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Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 1

Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 2

Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 3

Der Phönix-See in Dortmund. Dieser See war lange die Baustelle meines damaligen Ehemannes.
Dazu gibt es auf dem Blog einen eigenen Bericht: Bericht: Phönix See.
Aus dem Grund war er in der Woche nie zu Hause und aus dem Grund haben wir uns gelegentlich eine Auszeit gegönnt

Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 4

Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 5

Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 6

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Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 9

Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 10

Flughafen Kattowitz.

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Unser Mietwagen für die Weiterfahrt nach Leżajsk.

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Anreise nach Südpolen mit Wizz Air, Blick aus dem Flugzeug und Fahrt ab Kattowitz Bild 16

Die nicht-mautpflichtigen Straßen waren stellenweise deutlich mitgenommen.

Ankunft in Leżajsk und Geld wechseln in Polen

In Leżajsk angekommen, begrüßten wir die Brautleute und die Familie und bezogen unser Hotel. Außerdem mussten wir Geld wechseln. Polen gehört zwar zur Europäischen Union, bezahlt aber weiterhin mit dem polnischen Złoty, abgekürzt PLN. Der Euro ist in Polen nicht die offizielle Landeswährung. In touristischen Einzelfällen mag manchmal Euro akzeptiert werden, verlassen sollte man sich darauf aber nicht. Für Reisen nach Polen sind Złoty, Kartenzahlung oder Geldabheben vor Ort deutlich sinnvoller.

Hotelzimmer und Geldwechsel in Leżajsk Bild 1

Unser Hotel in Leżajsk.

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Hotelzimmer und Geldwechsel in Leżajsk Bild 2

Hotelzimmer und Geldwechsel in Leżajsk Bild 3

Hotelzimmer und Geldwechsel in Leżajsk Bild 4

Hotelzimmer und Geldwechsel in Leżajsk Bild 5

Polnische Złoty. Polen nutzt weiterhin nicht den Euro.

Die Basilika von Leżajsk

Später am Abend gab es bei der Familie der Braut einen kleinen Umtrunk. Vorher wollte ich mir aber unbedingt die Basilika von Leżajsk ansehen. Schon von außen war sie eindrucksvoll, aber innen war sie noch einmal eine ganz andere Nummer.

Die Basilika von Leżajsk

Die Basilika Mariä Verkündigung in Leżajsk gehört zum Bernhardinerkloster und zählt zu den bedeutenden Kirchenbauten im Südosten Polens. Bekannt ist sie besonders für ihre barocke Ausstattung, die Marienverehrung und ihre historische Orgel. Diese Orgelanlage füllt den westlichen Teil der Basilika eindrucksvoll aus und gehört zu den wichtigen historischen Orgeln Polens. Für mich war die Basilika der stärkste architektonische und religiöse Eindruck dieser Reise.

Als ich die Basilika betrat, war ich erst einmal sprachlos. Die Inneneinrichtung, die Deckenmalereien, die Altäre und die ganze Atmosphäre wirkten auf mich sehr geschlossen und feierlich. Ich hätte dort lange sitzen können, einfach um diesen Raum auf mich wirken zu lassen. Die Fotos geben das, wie so oft, nur begrenzt wieder. Aber zumindest zeigen sie einen Eindruck von dem, was mich damals so beeindruckt hat.

Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 1

Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 2

Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 3

Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 4

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Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 9

Die Figur des Chrystus Frasobliwy, des nachdenklichen Christus.

Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 10

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Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 12

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Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 19

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Basilika von Leżajsk mit barocker Ausstattung, Altären und historischer Orgel Bild 21

Die Basilika von Leżajsk am Abend.

Der erste Morgen in Polen

Am ersten Morgen frühstückten wir im Hotel auf dem Balkon. Blauer Himmel, Sonnenschein, perfektes Hochzeitswetter. Meine Älteste war schon aufgeregt, weil sie endlich ihr Prinzessinnenkleid anziehen durfte.

Zum Frühstück gab es Marmelade und Saft. Also kam bald eine Wespe angeflogen. Sie landete aber nicht auf dem süßen Zeug, sondern auf dem Kochschinken. Wir beobachteten, wie sie sich tatsächlich ein Stück davon herausknabberte. Das war gar nicht so abwegig, wie es zuerst aussah: Wespen brauchen nicht nur Zucker als schnelle Energiequelle, sondern auch Eiweiß, vor allem für die Aufzucht ihrer Larven. Fleisch, Wurst oder Schinken sind für sie deshalb manchmal interessanter als Marmelade. Als wir mit frühstücken fertig waren, ließen wir sie natürlich wieder fliegen.

Frühstück im Hotel in Leżajsk und Morgen vor der Hochzeit Bild 1

Frühstück im Hotel in Leżajsk und Morgen vor der Hochzeit Bild 2

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Frühstück im Hotel in Leżajsk und Morgen vor der Hochzeit Bild 7

Frühstück im Hotel in Leżajsk und Morgen vor der Hochzeit Bild 8

Ein Spaziergang durch Leżajsk

Später gingen wir etwas durch den Ort. Vor allem suchten wir eine Apotheke, denn in Polen gab es damals eine spezielle Salbe zu kaufen, die meinem Sohn gut half und die in Deutschland nur schwer zu bekommen war. Nebenbei bekamen wir einen ersten Eindruck vom Alltag im Ort: kleine Geschäfte, Kioske, viele religiöse Zeichen und eine sehr freundliche Stimmung.

An einem Kiosk gab es alles Mögliche: Spielzeug, Schmuck, Zeitschriften und Kleinigkeiten für Kinder. Meine Älteste bekam dort eine Barbie mit mehreren Wechselkleidern für umgerechnet etwa vier Euro. Danach mussten wir uns auch schon für die Hochzeit fertig machen.

Spaziergang durch Leżajsk vor der polnischen Hochzeit Bild 1

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Spaziergang durch Leżajsk vor der polnischen Hochzeit Bild 3

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Ein Kiosk in Leżajsk mit Spielzeug, Schmuck, Zeitschriften und Kleinigkeiten.

Spaziergang durch Leżajsk vor der polnischen Hochzeit Bild 5

Spaziergang durch Leżajsk vor der polnischen Hochzeit Bild 6

Spaziergang durch Leżajsk vor der polnischen Hochzeit Bild 7

Unsere polnische Hochzeit

Die Hochzeit selbst war für uns ein besonderer Einblick in eine andere Hochzeitskultur. Nicht, weil in Polen alles grundsätzlich anders wäre als in Deutschland. Auch bei uns gibt es lange Feiern, Familienfeste, kirchliche Trauungen, gutes Essen und Musik. Der Unterschied lag für mich eher darin, wie geschlossen mehrere Dinge zusammenkamen: der katholische Rahmen, die Rolle der Eltern, feste Rituale, viel Symbolik und eine Feier, bei der Essen, Segen, Familie und Gemeinschaft sehr eng miteinander verbunden waren.

Typisch für viele katholisch geprägte polnische Hochzeiten ist der Segen der Eltern vor der Trauung. Dieser Moment findet oft noch im Elternhaus statt. Die Eltern segnen das Brautpaar, manchmal mit Kreuzzeichen, Weihwasser oder einem Kreuz, und wünschen dem Paar Gottes Schutz für die Ehe. Das ist kein lockerer Programmpunkt nebenbei, sondern ein sehr persönlicher Familienmoment vor dem eigentlichen Gang zur Kirche.

Die kirchliche Trauung hat in Polen bei katholischen Familien häufig einen höheren Stellenwert als bei vielen deutschen Hochzeiten, bei denen die standesamtliche Trauung oft der rechtliche Kern ist und die Kirche zusätzlich gewählt wird. In Polen kann eine kirchliche Trauung unter bestimmten Voraussetzungen zugleich zivilrechtlich anerkannt werden. Dadurch ist die Kirche nicht nur Kulisse, sondern kann religiöser und rechtlicher Mittelpunkt des Hochzeitstages sein. Genau das erklärt auch, warum die Trauung in katholisch geprägten Familien so stark im Zentrum steht.

Nach der Trauung wird das Brautpaar bei vielen polnischen Hochzeiten mit Brot und Salz empfangen. Brot steht für den Wunsch, dass es dem Paar nie an Nahrung und Wohlstand fehlen soll. Salz steht für die schweren, manchmal bitteren Seiten des Lebens, die gemeinsam getragen werden müssen. Mancherorts kommen Gläser mit Wodka oder Wasser dazu, manchmal werden Gläser zerschlagen, damit Glück in die Ehe kommt. Das wirkt auf deutsche Gäste zuerst ungewohnt, weil es nicht nur Dekoration ist, sondern ein alter symbolischer Empfang.

Sehr typisch ist auch der Ruf „Gorzko!“. Wörtlich bedeutet das „bitter“. Wenn die Gäste „Gorzko!“ rufen, soll sich das Brautpaar küssen. Der Kuss macht das Bittere symbolisch süß. Das ist kein normaler Trinkspruch und auch kein Zufallswitz der Gäste, sondern ein festes Spiel zwischen Hochzeitsgesellschaft und Brautpaar, das im Laufe des Abends immer wieder auftauchen kann.

Gegen Mitternacht gibt es bei vielen polnischen Hochzeiten die Oczepiny. Dieser Brauch ist älter als ein modernes Hochzeitsspiel. Früher symbolisierte er den Übergang der Braut vom unverheirateten Mädchen zur Ehefrau. Heute wird daraus je nach Familie ein Mitternachtsprogramm mit Schleierwurf, Blumenwurf, kleinen Spielen, Aufgaben oder Wettbewerben. Manche Feiern leben diesen Teil sehr traditionell, andere machen daraus eher ein lockeres Unterhaltungsprogramm.

Auch beim Essen gibt es Unterschiede. Bei vielen deutschen Hochzeiten gibt es ein festes Menü oder Buffet und später vielleicht noch einen Mitternachtssnack. Bei polnischen Hochzeiten wird dagegen oft über viele Stunden immer wieder Essen aufgetragen. Typisch sind warme Gänge und kalte Platten im Wechsel: Rosół, also eine klare Brühe mit Nudeln, Fleischgerichte, Kartoffeln, Salate, Wurst, Schinken, Hering, eingelegte Gurken, Kuchen und je nach Familie auch Pierogi, Bigos oder Gołąbki. Der Abend fühlt sich dadurch weniger wie „ein Essen und danach Party“ an, sondern wie ein langer Wechsel aus Essen, Trinken, Musik, Tanz, Gesprächen und Ritualen.

Am nächsten Tag kann es außerdem die Poprawiny geben. Das ist nicht einfach nur ein deutsches Katerfrühstück, sondern je nach Familie eine richtige Fortsetzung der Hochzeit. Es wird wieder gegessen, geredet, manchmal weiter gefeiert und Musik gemacht. Nicht jede Familie macht das groß, aber die Idee, dass eine Hochzeit nicht zwingend nach einer Nacht endet, ist in Polen deutlich stärker verankert.

Rund um Antrag und Verlobung gibt es ebenfalls traditionelle Vorstellungen. Früher spielten Familie, Elternhaus und Zustimmung der Eltern eine größere Rolle. Heute macht meist weiterhin der Mann den Antrag, aber starre Regeln gibt es nicht mehr. Ob ein Paar vor der Hochzeit zusammenlebt, hängt stark von Familie, Region und religiöser Prägung ab. Rechtlich ist es selbstverständlich erlaubt. In sehr katholischen Familien kann es aber weiterhin kritischer gesehen werden als in moderneren oder säkulareren Familien.

Unsere Feier in Südostpolen war deutlich katholisch und familiär geprägt. Genau das machte sie für mich interessant. Wir sahen nicht nur eine Feier, sondern ein Stück Alltagstradition: Segen, Kirche, Familie, Essen, Musik und Bräuche gehörten zusammen. Dieser Eindruck passte zu dem, was uns später auch in den Dörfern auffiel: Der Glaube war dort nicht versteckt, sondern sichtbar im Leben der Menschen verankert.

Polnische Hochzeit in Leżajsk mit Feier und Festsaal Bild 1

Polnische Hochzeit in Leżajsk mit Feier und Festsaal Bild 2

Polnische Hochzeit in Leżajsk mit Feier und Festsaal Bild 3

Hier fand die Hochzeitsfeier statt.

Katholischer Glaube im Alltag

Am Morgen nach der Feier schliefen viele lange oder legten sich nach dem Frühstück wieder hin. Nach einer langen Hochzeitsnacht war das wenig überraschend. Da ich nichts getrunken hatte, war ich müde, aber ansonsten fit. Meine Älteste war dagegen putzmunter und fand es ziemlich langweilig, dass alle schliefen. Also beschloss ich, mit ihr ein wenig durch die Dörfer zu fahren.

Diese Fahrt wurde für mich einer der eindrücklichsten Teile der Reise. Nicht wegen einer großen Sehenswürdigkeit, sondern wegen der vielen kleinen Beobachtungen am Straßenrand. In den Dörfern standen auffallend viele Kirchen, oft groß, gepflegt und teilweise relativ neu. An Straßenkreuzungen, vor Häusern und auf kleinen Plätzen sahen wir Wegekreuze, Marienstatuen, Blumen, kleine Kapellen und religiöse Nischen. Der katholische Glaube war dort nicht versteckt und nicht nur Privatsache. Er gehörte sichtbar zum Ortsbild.

Besonders deutlich wurde das an den Gottesdiensten. Mehrere Kirchen waren so voll, dass Menschen draußen standen und die Messe über Lautsprecher mitverfolgten. Dieses Bild kannte ich aus Deutschland in dieser Form nicht. Natürlich gibt es auch hier volle Kirchen, vor allem an Feiertagen oder bei besonderen Anlässen. Aber dort wirkte es alltäglicher, selbstverständlicher und stärker in die Dorfgemeinschaft eingebunden.

Für mich war das kein theoretisches Kulturthema aus einem Reiseführer. Es war etwas, das man unterwegs sah: volle Kirchen, Lautsprecher vor der Kirche, Blumen an Kreuzen, Marienfiguren an Häusern und eine Hochzeit, bei der der kirchliche Teil ganz selbstverständlich zum Tag gehörte.

Neben all den Kirchen fielen uns außerdem viele Störche auf. Und die Menschen begegneten uns freundlich, auch meiner Ältesten gegenüber.

Dörfer im Südosten Polens mit Kirchen, Wegekreuzen, Marienstatuen, Holzkirche, Störchen und Landschaft Bild 1

Dörfer im Südosten Polens mit Kirchen, Wegekreuzen, Marienstatuen, Holzkirche, Störchen und Landschaft Bild 2

Dörfer im Südosten Polens mit Kirchen, Wegekreuzen, Marienstatuen, Holzkirche, Störchen und Landschaft Bild 3

Dörfer im Südosten Polens mit Kirchen, Wegekreuzen, Marienstatuen, Holzkirche, Störchen und Landschaft Bild 4

Dörfer im Südosten Polens mit Kirchen, Wegekreuzen, Marienstatuen, Holzkirche, Störchen und Landschaft Bild 5

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Dörfer im Südosten Polens mit Kirchen, Wegekreuzen, Marienstatuen, Holzkirche, Störchen und Landschaft Bild 10

Dörfer im Südosten Polens mit Kirchen, Wegekreuzen, Marienstatuen, Holzkirche, Störchen und Landschaft Bild 11

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Eine Holzkirche im Südosten Polens.

Holzkirchen in Südpolen

Im Südosten Polens stehen viele historische Holzkirchen und Holzkirchen der Ostkirchen. Sie sind nicht mit norwegischen Stabkirchen gleichzusetzen, zeigen aber ebenfalls, wie eindrucksvoll sakrale Holzarchitektur wirken kann: dunkles Holz, steile Dächer, Türme, Schindeln und eine Bauweise, die deutlich handwerklicher und älter wirkt als viele moderne Kirchenbauten. Besonders bekannt sind die Holzkirchen Süd-Małopolskas und die Holzkirchen der Karpatenregion, von denen mehrere zum UNESCO-Welterbe gehören. Eine ganz andere, aber ebenfalls sehr eindrucksvolle Holzkirche haben wir später in Norwegen besucht: Bergen in Norwegen.

Dörfer im Südosten Polens mit Kirchen, Wegekreuzen, Marienstatuen, Holzkirche, Störchen und Landschaft Bild 31

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Ein Storchennest in Südostpolen.

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Unwetter auf dem Rückweg

Bis dahin war alles soweit in Ordnung. Nur hatte ich für den Rückweg weniger Zeit eingeplant, als ich tatsächlich brauchte. Außerdem hatte ich keine geöffnete Apotheke gefunden. Ich wollte zurückfahren und anschließend direkt weiterfeiern. Aber dann kam ein Unwetter, wie ich es bis dahin noch nie erlebt hatte.

Zuerst konnte ich noch fahren. Später ging das so gut wie nicht mehr. Da ich weder das Auto noch die Gegend gut kannte, fuhr ich auf einen Parkplatz und wartete ab. Es stürmte, ringsherum war Gewitter, und dann kam auch noch Hagel mit Körnern, die so groß waren, dass ich mir Sorgen um die Scheiben machte.

Später traute ich mich weiterzufahren, denn ewig wollte ich dort auch nicht stehen bleiben. Unterwegs kamen immer wieder heftige Regenschauer, sodass ich mehrmals rechts an den Straßenrand fuhr. Auf den Fotos erkennt man leider nicht wirklich, wie groß die Hagelkörner waren. Tagsüber Blitze zu fotografieren ist ebenfalls nicht einfach. Bei der Anzahl an Blitzen um uns herum war es allerdings fast unmöglich, keinen zu erwischen. Danach brauchte ich erst einmal etwas für die Nerven.

Unwetter, Hagel und Blitze auf dem Rückweg durch Südostpolen Bild 1

Unwetter, Hagel und Blitze auf dem Rückweg durch Südostpolen Bild 2

Unwetter, Hagel und Blitze auf dem Rückweg durch Südostpolen Bild 3

Unwetter, Hagel und Blitze auf dem Rückweg durch Südostpolen Bild 4

Etwas Nervennahrung nach Hagel, Gewitter und einer angespannten Rückfahrt.

Unwetter, Hagel und Blitze auf dem Rückweg durch Südostpolen Bild 5

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Unwetter, Hagel und Blitze auf dem Rückweg durch Südostpolen Bild 7

Rückflug nach Dortmund

Am Montag flogen wir schon wieder nach Hause. Nach einem sehr frühen und schnellen Frühstück fuhren wir los. Vom Hotel gab es noch Lunchpakete für die Fahrt. Unterwegs sahen wir wieder viele Störche, Dörfer, Straßenbaustellen und Mautstellen. Maut zahlen lohnte sich auch in Polen, denn der Unterschied zu manchen Nebenstraßen war deutlich.

Blitzer gab es ebenfalls viele. Ich wurde damals sogar Besitzerin eines polnischen Strafmandates, allerdings nicht wegen zu schnellen Fahrens. Danach ging es zurück nach Dortmund und wenige Stunden später hatte uns der Alltag wieder.

Heimreise aus Leżajsk über Kattowitz nach Dortmund mit Landschaft, Störchen, Mautstellen und Rückflug Bild 1

Heimreise aus Leżajsk über Kattowitz nach Dortmund mit Landschaft, Störchen, Mautstellen und Rückflug Bild 2

Heimreise aus Leżajsk über Kattowitz nach Dortmund mit Landschaft, Störchen, Mautstellen und Rückflug Bild 3

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Mautstelle auf der Heimreise. Die Mautstrecken waren deutlich angenehmer zu fahren.

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Ausflüge ab Krakau

Die wohl bekannteste Stadt in Südpolen ist Krakau. Wer mehr Zeit hat als wir damals, kann Krakau gut als Ausgangspunkt für weitere Ausflüge nutzen. Die Altstadt gehört zu den bekanntesten historischen Stadtzentren Europas, Kazimierz ist eng mit der jüdischen Geschichte der Stadt verbunden, und rund um Krakau liegen mehrere der bekanntesten Ausflugsziele Polens: das Salzbergwerk Wieliczka, die Tatra rund um Zakopane und die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Gerade Auschwitz-Birkenau ist kein klassischer Ausflug im üblichen Sinn. Es ist eine Gedenkstätte und ein historischer Ort von enormer Schwere. Mit Kindern oder Jugendlichen würde ich vorher sehr bewusst überlegen, ab welchem Alter ein Besuch sinnvoll ist und wie man ihn vorbereitet. Für Erwachsene gehört der Ort zu den wichtigsten Erinnerungsorten Europas.

Ausflüge und Touren ab Krakau*

Wenn ihr Südpolen nicht nur auf eigene Faust erkunden möchtet, findet ihr hier organisierte Touren und Ausflüge ab Krakau, zum Beispiel nach Wieliczka, Zakopane oder zu historischen Orten in der Umgebung.

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FAQ: Polnische Hochzeit, Leżajsk und Reisen nach Südpolen

Wie läuft eine polnische Hochzeit traditionell ab?

Eine traditionelle polnische Hochzeit beginnt bei katholisch geprägten Familien oft mit dem Segen der Eltern, danach folgt die kirchliche Trauung. Nach der Trauung wird das Brautpaar häufig mit Brot und Salz empfangen. Im Laufe der Feier können „Gorzko“-Rufe, viele gemeinsame Mahlzeiten, Tanz, Musik, Oczepiny um Mitternacht und am nächsten Tag die Poprawiny dazukommen.

Was ist bei einer polnischen Hochzeit anders als bei einer deutschen Hochzeit?

Der Unterschied liegt weniger darin, dass in Polen länger gefeiert wird oder mehrere Generationen dabei sind. Das gibt es in Deutschland auch. Auffällig anders sind eher die festen Rituale: Elternsegen, Brot und Salz, „Gorzko“-Rufe, Oczepiny um Mitternacht, Poprawiny am Folgetag und die oft stärkere Verbindung von katholischem Glauben, Familie und Feier.

Welche Rolle spielt der katholische Glaube bei einer polnischen Hochzeit?

Bei katholisch geprägten Familien steht die kirchliche Trauung häufig im Mittelpunkt. Sie ist nicht nur ein schöner Rahmen, sondern der religiöse Kern des Hochzeitstages. In Polen kann eine kirchliche Trauung unter bestimmten Voraussetzungen auch zivilrechtlich anerkannt werden. Dazu passen Bräuche wie der Elternsegen, Gebete, Messe, Eheversprechen, Ringtausch und der priesterliche Segen.

Was bedeutet Brot und Salz bei einer polnischen Hochzeit?

Brot und Salz werden dem Brautpaar häufig beim Empfang nach der Trauung gereicht. Brot steht für den Wunsch, dass es dem Paar an nichts fehlen soll. Salz erinnert daran, dass das gemeinsame Leben auch schwierige Momente hat, die zusammen getragen werden müssen. Der Brauch ist einer der bekanntesten polnischen Hochzeitsbräuche.

Was bedeutet „Gorzko“ auf einer polnischen Hochzeit?

„Gorzko“ bedeutet „bitter“. Wenn die Gäste „Gorzko!“ rufen, soll sich das Brautpaar küssen. Der Kuss macht das Bittere symbolisch süß. Für deutsche Gäste wirkt das zuerst ungewöhnlich, weil es kein klassischer Toast ist, sondern ein wiederkehrendes Hochzeitsritual.

Was sind Oczepiny?

Oczepiny sind ein traditioneller Mitternachtsbrauch bei polnischen Hochzeiten. Früher symbolisierte er den Übergang der Braut vom unverheirateten Mädchen zur Ehefrau. Heute ist daraus oft ein Unterhaltungsprogramm mit Schleierwurf, Blumenwurf, Spielen oder kleinen Aufgaben geworden.

Was ist Poprawiny?

Poprawiny ist die Nachfeier am Tag nach der Hochzeit. Sie kann klein ausfallen, aber auch fast wie eine zweite Feier wirken. Es wird erneut gegessen, geredet, manchmal weiter getanzt und Musik gemacht. Damit ist Poprawiny oft mehr als ein deutsches Katerfrühstück.

Welches Essen gibt es auf einer polnischen Hochzeit?

Typisch sind mehrere warme Gänge und viele kalte Speisen über den ganzen Abend verteilt. Häufig gibt es Rosół, also Brühe mit Nudeln, Fleischgerichte, Kartoffeln, Salate, Wurst, Schinken, Hering, eingelegte Gurken, Kuchen und je nach Familie auch Pierogi, Bigos oder Gołąbki. Das Essen steht bei vielen polnischen Hochzeiten viel länger und kontinuierlicher im Mittelpunkt als bei einem klassischen deutschen Buffet.

Wer macht in Polen traditionell den Heiratsantrag?

Traditionell macht meist der Mann den Antrag. Früher waren die Eltern und die formelle Verlobung stärker eingebunden. Heute entscheiden viele Paare selbst, wie sie sich verloben. In traditionelleren Familien kann der Segen oder die Zustimmung der Eltern aber weiterhin eine größere Rolle spielen als in sehr modernen Umfeldern.

Darf ein Paar in Polen vor der Hochzeit zusammen wohnen?

Rechtlich ja. Gesellschaftlich hängt es stark von Familie, Region und religiöser Prägung ab. In modernen Familien ist Zusammenleben vor der Ehe längst keine Seltenheit mehr. In sehr katholischen oder sehr traditionellen Familien kann es aber weiterhin kritischer gesehen werden.

Wo liegt Leżajsk?

Leżajsk liegt im Südosten Polens in der Woiwodschaft Karpatenvorland. Die Stadt befindet sich deutlich östlich von Krakau und Kattowitz und nicht weit von der ukrainischen Grenze entfernt. Für eine Anreise aus Deutschland sind Kattowitz und Krakau mögliche Flughäfen, aber die Weiterfahrt nach Leżajsk dauert noch mehrere Stunden.

Was kann man in Südpolen sehen?

Südpolen ist viel mehr als Leżajsk. Zu den bekanntesten Zielen gehören Krakau, das Salzbergwerk Wieliczka, die Tatra rund um Zakopane, die Pieninen, das Karpatenvorland und die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Wer Natur sucht, findet im Süden Polens Berge, Schluchten, Flusstäler und viele historische Holzkirchen.

Zahlt man in Polen mit Euro?

Nein. Polen gehört zwar zur Europäischen Union, nutzt aber weiterhin den polnischen Złoty. In touristischen Einzelfällen kann Euro akzeptiert werden, verlassen sollte man sich darauf nicht. Für Reisen nach Polen sind Złoty, Kartenzahlung oder Geldabheben vor Ort die bessere Lösung.


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