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Schneewittchen – die wahre Geschichte? Margaretha von Waldeck und Bergfreiheit

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Schneewittchen: wahre Geschichte oder Legende?

Gab es Schneewittchen wirklich?

Eine eindeutig belegte „wahre Geschichte“ von Schneewittchen gibt es nicht. Eine bekannte Theorie verbindet das Märchen mit Margaretha von Waldeck. Die Grafentochter aus dem heutigen Hessen wurde 1533 geboren und starb 1554 mit nur 21 Jahren. Der Überlieferung nach soll sie außergewöhnlich schön gewesen sein und möglicherweise vergiftet worden sein. In Bergfreiheit bei Bad Wildungen wird bis heute erzählt, welche Parallelen es zwischen ihrem Leben, den Bergwerken der Region und den sieben Zwergen geben könnte.

Wir haben das Schneewittchendorf Bergfreiheit mit unseren Kindern selbst besucht. Auf dem Weg nach Rothenburg ob der Tauber machten wir dort einen kurzen Zwischenstopp. Das Wetter spielte leider nicht mit und war wenig märchenhaft ….

Schneewittchen und die sieben Zwerge: das Märchen kurz erklärt

Schneewittchen kennen wir alle: Eine Königin ist so eifersüchtig auf die Schönheit ihrer Stieftochter, dass Schneewittchen fliehen muss. Im Wald findet sie Schutz bei sieben Zwergen. Die Königin versucht mehrfach, sie zu töten – zuletzt mit einem vergifteten Apfel. Die Zwerge legen Schneewittchen in einen gläsernen Sarg.

In der Fassung der Brüder Grimm wird Schneewittchen übrigens nicht durch den Kuss eines Prinzen geweckt. Beim Transport des Sarges stolpern die Diener, wodurch sich das Apfelstück aus ihrem Hals löst. Der Kuss gehört zu späteren Bearbeitungen, vor allem zu den bekannten Filmversionen.

Die Brüder Grimm veröffentlichten das Märchen 1812 in ihrer Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ unter dem Titel „Sneewittchen“; in der ersten Ausgabe wurde daneben auch die hochdeutsche Form „Schneeweißchen“ verwendet. Disney brachte 1937 seinen ersten Zeichentrickfilm über Schneewittchen heraus. Den vollständigen Grimm-Text findet ihr beim Goethe-Institut.

Margaretha von Waldeck: die mögliche Vorlage für Schneewittchen

Ich erzähle euch jetzt die Geschichte von Margaretha von Waldeck – und warum sie in Bergfreiheit als mögliches Vorbild für Schneewittchen gilt.

Es war einmal vor langer Zeit ….. in Waldeck in der Nähe von Kassel:

Wir schreiben das Jahr 1533. Graf Philipp IV. bekommt sein sechstes Kind und seine zweite Tochter. Ihr Name: Margaretha von Waldeck ….

Ihre Mutter war Margarethe von Ostfriesland, die vier Jahre nach der Geburt ihrer Tochter starb. Zwei Jahre später bekam Margaretha mit Katharina von Hatzfeld eine Stiefmutter. Margaretha von Waldeck soll außergewöhnlich schön gewesen sein. Das kommt einem doch alles sehr vertraut vor, oder?

Margaretha war ungefähr 16 Jahre alt, als sie an den Hof von Maria von Ungarn nach Brüssel kam. Maria von Ungarn war die Schwester von Kaiser Karl V. Margarethas Vater erhoffte sich für seine Tochter eine standesgemäße Heirat.

Die politischen Hintergründe lasse ich einmal etwas außen vor. Es ging unter anderem um den hessischen Landgrafen Philipp, der von Karl V. gefangen gehalten wurde, und um mehrere hochgestellte Männer, die sich für Margaretha interessiert haben sollen.

Von Hessen aus lag Margarethas Ziel jenseits des Siebengebirges. Anhänger der Theorie sehen darin eine mögliche Verbindung zu den „sieben Bergen“ aus dem Märchen.

Margaretha starb am 15. März 1554 im Alter von gerade einmal 21 Jahren in Brüssel. In einer Waldecker Heimatchronik findet sich der Hinweis, sie sei möglicherweise vergiftet worden. Arsen wurde später als mögliche Ursache ins Spiel gebracht, unter anderem wegen ihrer zittrigen Handschrift. Bewiesen ist eine Vergiftung jedoch nicht. Ebenso wenig kennt man einen sicheren Täter oder ein eindeutiges Motiv.

Und anders als in späteren Filmversionen konnte sie natürlich kein Märchenprinz wieder zum Leben erwecken. Eine tragische und traurige Geschichte – und vielleicht eine von mehreren Spuren, die irgendwann in das Märchen eingeflossen sind.

Die Verbindung zwischen Margaretha von Waldeck und Schneewittchen geht vor allem auf die Forschungen von Eckhard Sander zurück. Sie ist eine interessante Theorie, aber keine zweifelsfrei bewiesene historische Tatsache. Märchenforscher gehen davon aus, dass Schneewittchen aus mehreren mündlichen und schriftlichen Überlieferungen entstanden ist.

Gibt es noch ein anderes mögliches Vorbild für Schneewittchen?

Ja. Auch Maria Sophia von Erthal aus Lohr am Main wird häufig als mögliches Vorbild genannt. Dort werden unter anderem ein historischer Spiegel, die Glasherstellung im Spessart und Orte in der Umgebung mit dem Märchen verbunden. Auch diese Theorie ist nicht eindeutig bewiesen. Mein Beitrag handelt von der Margaretha-von-Waldeck-Theorie und unserem Besuch im Schneewittchendorf Bergfreiheit.

Quellen zur historischen Einordnung: wissenschaftliche Untersuchung zu Margaretha von Waldeck und Schneewittchen · Stadt Lohr am Main zur Maria-Sophia-von-Erthal-Theorie

Was haben die sieben Zwerge mit Bergfreiheit zu tun?

In den Bergwerken der Region waren die Gänge eng und teilweise sehr niedrig. Auch Kinder mussten früher unter Tage arbeiten. Aus Lohnabrechnungen aus dem Jahr 1586 ist bekannt, dass im Bergbau bei Bergfreiheit Kinder eingesetzt wurden.

Die schwere Arbeit, Verletzungen, schlechte Ernährung und fehlendes Sonnenlicht konnten Menschen körperlich zeichnen und vorzeitig altern lassen. Nach der örtlichen Überlieferung könnten solche klein gebliebenen oder verkrüppelten Bergarbeiter von anderen als „Zwerge“ bezeichnet worden sein. Daraus entstand die Verbindung zwischen den sieben Zwergen und dem Bergwerksdorf Bergfreiheit.

Ob genau diese Bergarbeiter tatsächlich die sieben Zwerge des Grimm-Märchens inspirierten, lässt sich nicht beweisen. Bis heute nennt sich Bergfreiheit jedoch Schneewittchendorf und erzählt diese Geschichte weiter.

Haben die Zipfelmützen der Zwerge einen historischen Ursprung?

Auch für die Zipfelmützen gibt es in Bergfreiheit eine Erklärung: Bergleute trugen früher keine modernen Schutzhelme. Mützen konnten mit Moos oder Stroh ausgepolstert werden, um den Kopf in den niedrigen Stollen etwas zu schützen. Diese Kopfbedeckungen sollen den später dargestellten Zipfelmützen geähnelt haben. Auch das gehört zur örtlichen Überlieferung und ist kein eindeutiger Beweis für den Ursprung der Märchenfiguren.

Informationen zum Schneewittchendorf Bergfreiheit

Aktuelle Informationen zum Ort, zum Schneewittchenhaus und zu Veranstaltungen findet ihr auf der Seite der Stadt Bad Wildungen. Öffnungszeiten, Preise und Hinweise zum Besucherbergwerk stehen auf der offiziellen Seite zum Besucherbergwerk Bertsch.

Wo liegt das Schneewittchendorf Bergfreiheit?

Bergfreiheit gehört zu Bad Wildungen in Hessen und liegt im Kellerwald. Der kleine Ort trägt heute den Namen Schneewittchendorf, weil dort die Geschichte um Margaretha von Waldeck, die Bergwerke und die sieben Zwerge erzählt wird.

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Weitere Informationen

Schneewittchendorf Bergfreiheit mit Kindern: unser Zwischenstopp

Wir hatten nicht viel Zeit, da wir nur auf der Durchreise waren. Daher beschränkten wir uns auf den Besuch des Bergwerks – natürlich nicht ohne vorher bei den Figuren in der Dorfmitte anzuhalten.

Schneewittchendorf Bergfreiheit mit Figuren aus dem Märchen Schneewittchen

Märchenfiguren im Schneewittchendorf Bergfreiheit in Hessen

Schneewittchen und die sieben Zwerge als Figuren in Bergfreiheit

Wir fuhren noch am Schneewittchenhaus vorbei, es hatte jedoch leider geschlossen.

Schneewittchenhaus Bergfreiheit

Schneewittchenhaus Bergfreiheit
Kellerwaldstraße 27
34537 Bad Wildungen

Schneewittchenhaus in Bergfreiheit bei Bad Wildungen

Kurz vor Beginn der Führung erreichten wir das Besucherbergwerk Bertsch in Bergfreiheit. Der Bergbau auf Eisen- und Kupfererze im Urfftal wurde 1552 erstmals urkundlich erwähnt. Den Kindern erzählte ich natürlich, dass hier die sieben Zwerge gearbeitet haben – und sie konnten es kaum abwarten, sich das Bergwerk von innen anzusehen.

Besucherbergwerk Bertsch: Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Kurzinfo zum Besucherbergwerk Bertsch

Stand August 2026: Das Besucherbergwerk ist regulär von April bis Oktober geöffnet. Führungen finden samstags und sonntags um 14:00 und 15:00 Uhr statt und dauern ungefähr 50 bis 60 Minuten. Von November bis März ist wegen des Fledermausschutzes Winterpause. Bitte prüft vor eurem Besuch die aktuellen Hinweise, da es an Feiertagen und bei Sonderterminen Abweichungen geben kann.

Öffnungszeiten von April bis Oktober

Samstag und Sonntag:
Führungen um 14:00 und 15:00 Uhr
Dauer: ungefähr 50 bis 60 Minuten

Winterpause von November bis März

Von November bis März finden wegen des Fledermausschutzes keine Führungen statt – auch keine Sonderführungen.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5,50 €
Kinder bis 14 Jahre: 3,50 €
Gruppen ab 10 Personen: 4,50 € pro Person
Kindergeburtstag mit Schatzsuche: 6,50 € pro Person, mindestens 8 Personen

Die Angaben entsprechen dem Stand von August 2026. Aktuelle Preise, Feiertagsregelungen und Buchungsmöglichkeiten findet ihr bei der Stadt Bad Wildungen.

Anfahrt und Parken

Das Besucherbergwerk liegt an der L 3296 am Ortsausgang von Bergfreiheit in Richtung Gemünden. Ein Parkplatz befindet sich direkt beim Bergwerk. Folgt bei der Anfahrt der Beschilderung zum „Schneewittchendorf Bergfreiheit“ beziehungsweise zum Besucherbergwerk.

Ist das Besucherbergwerk Bertsch für Kinder geeignet?

Nach unserer Erfahrung ja. Die Führung dauert ungefähr eine Stunde, die Besuchergänge sind trotz einiger enger Stellen so groß, dass wir nicht krabbeln mussten. Eine längere Treppe gehört jedoch dazu. Schutzhelm und Schutzjacke werden gestellt. Die Führung war für Erwachsene und Kinder interessant, und unsere Kinder durften unterwegs auch selbst etwas ausprobieren.

Das Schneewittchen-Bergwerk mit Kindern: unsere Erfahrung

Eingang zum Besucherbergwerk Bertsch in Bergfreiheit

Schutzhelme und Ausrüstung für die Führung im Bergwerk Bertsch

Für jeden Besucher gibt es eine Schutzjacke und einen Schutzhelm. Die Kinderjacken waren leider irgendwie vergriffen ….

Kind mit Schutzjacke und Helm vor der Führung im Schneewittchen-Bergwerk

Und dann ging es ungefähr eine Stunde lang durch die teilweise engen Gänge des Bergwerks. Vom Laufen her war das alles nicht schwierig; trotz meiner Prellung und meines Muskelfaserrisses war es kein Problem. Nur eine lange Treppe war schwierig.

Die Führung war toll und lehrreich. Der Mann, der sie leitete, gestaltete die Führung für Erwachsene und Kinder gleichermaßen interessant – eine besondere Eigenschaft, die leider nicht immer alle so hinbekommen. Er schaffte es, dass die Kinder neugierig zuhörten und das Bergwerk erkundeten. Für sie war klar: Ja, hier haben die sieben Zwerge gearbeitet.

Stollen im Besucherbergwerk Bertsch in Bergfreiheit

Enger Gang im Schneewittchen-Bergwerk in Bergfreiheit

Kleine Nebengänge im Bergwerk Bertsch

Hier kann man sehen, wie durchzogen das Bergwerk von kleinen Gängen ist.

Kind in einem kleinen Nebengang im Bergwerk Bertsch

Das ist meine jüngste Tochter in einem Nebengang – daran erkennt man, wie klein die Stollen früher waren. Die Gänge für Besucher waren aber größer; krabbeln musste von uns niemand.

Gesteinsschichten und Farben im Besucherbergwerk Bertsch

Viele verschiedene Gesteinsarten zeichnen sich in bunten Farben ab.

Historische Beleuchtung im Bergwerk Bertsch in Bergfreiheit

Die typischen Beleuchtungen von früher. Hell und irgendwie doch nicht ….

Kind probiert etwas bei der Führung im Bergwerk Bertsch aus

Die Kinder durften auch einmal etwas ausprobieren, wie hier zum Beispiel. Nach ungefähr einer Stunde war die kurzweilige Führung leider vorbei. Man hätte noch viel mehr im Kellerwald entdecken können, aber wir mussten weiter ….

….. zu unserem ersten Etappenziel: Rothenburg ob der Tauber.

Lohnt sich das Schneewittchendorf Bergfreiheit mit Kindern?

Für uns war das Besucherbergwerk eine spannende Entdeckungstour. Sicherlich nicht zu vergleichen mit den großen, bekannten Bergwerken, aber man bekommt einen guten Eindruck davon, wie die Arbeit unter Tage früher ausgesehen haben muss.

Für die Kinder war es allemal spannend. Sie durften etwas ausprobieren und erinnerten uns Erwachsene immer wieder daran, dass hier die sieben Zwerge gearbeitet haben. Abends riefen sie direkt ihren Papa an, um ihm von diesem tollen Erlebnis zu erzählen!




4 Kommentare zu „Schneewittchen – die wahre Geschichte? Margaretha von Waldeck und Bergfreiheit“

  1. Toller und wirklich interessanter Artikel! :) Gefällt mir total gut ;)
    Liebe Grüße,
    Kerstin von http://altmuehltaltipps.wordpress.com

    1. Elly unterwegs

      Vielen Dank für das Feedback! :)

  2. Manuela

    Super interessant. Ich wusste das nicht dachte immer alles ist in Märchen frei erfunden. Deine Kinder können sich glücklich schätzen das Du ihnen das alles zeigst! Warte sehnsüchtig auf den Schweizer Bericht von Dir. Lg. Manu

    1. Elly unterwegs

      Danke! :)
      Der Bericht von der Schweiz dauert noch ca 2 Wochen, erst schreibe ich den von Rothenburg ;)
      Ich bin leider etwas in Verzug, da ich mir aus dem Urlaub eine hartnäckige Sommergrippe mitgebracht hatte (Fing im Urlaub schon mit Fieber an …)

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