Auf zum nächsten Teil unserer USA-Reise.
Ich war alleine mit meinen drei Kindern im Wohnmobil im Westen der USA unterwegs. Meine Zwillinge waren 7 Jahre alt, meine Große 10.
Nun ging es für uns auf die Route 66. Unsere Strecke führte über Seligman und Hackberry, mit einem ziemlich großen Abstecher zu den riesigen Kakteen bei Wikieup, weiter nach Kingman. Am nächsten Tag folgten Oatman und Amboy, bevor wir die Route 66 wieder verließen und zum Joshua Tree Nationalpark weiterfuhren.
Insgesamt waren wir auf diesem Abschnitt rund 600 Kilometer unterwegs.
Diese Etappe war Teil unseres dreiwöchigen Wohnmobil-Roadtrips durch den Westen der USA. Die komplette Route und alle Stationen findest du hier:
USA Westküste – allein mit 3 Kindern im Wohnmobil
Unsere Route:
Flagstaff – Seligman – Hackberry – Wikieup – Kingman – Oatman – Amboy
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Unsere Route-66-Tour habe ich auf zwei Reiseberichte aufgeteilt. In diesem ersten Teil geht es von Flagstaff über Seligman und Hackberry nach Wikieup und weiter bis Kingman.
Im zweiten Teil geht es weiter nach Oatman, über den Sitgreaves Pass und bis nach Amboy:
Route 66 Teil 2 – Oatman, wilde Esel und Amboy
Seiteninhalt
Start unserer Route 66 Tour bei Flagstaff
Wir wurden schon früh von der Sonne geweckt. Der kleine Woody Mountain Campground an der Route 66 entpuppte sich als kleine Perle. Er lag mitten im Wald, hatte alle wichtigen Anschlüsse und Stellplätze zum Durchfahren.
Wobei ich das inzwischen gar nicht mehr unbedingt brauchte. Nach den ersten Tagen unseres USA-Roadtrips konnte ich mit unserem großen Wohnmobil mittlerweile ziemlich gut rückwärts einparken.

Unser Stellplatz.

Die Betreiber waren sehr freundlich und empfahlen uns fürs Frühstück ein 50er-Jahre-Diner ganz in der Nähe.
Das sollte unser Start in einen ziemlich besonderen Tag werden.
Die historische Route 66 verband einst Chicago mit Kalifornien. Heute ist sie nicht mehr durchgehend befahrbar, einige der bekanntesten Abschnitte liegen aber genau auf unserer Strecke durch Arizona.
Wir waren erst einmal hungrig.
Frühstück im amerikanischen Diner
Auf ging es zum Galaxy Diner.


Die Kinder waren durch unsere Entdeckung eines DeLorean am Abend vorher immer noch im „Zurück in die Zukunft“-Modus.
Entsprechend begeistert waren sie, als wir das Diner betraten.
„Da auf dem Hocker hat Marty gesessen!“, stellte meine Tochter fest und sah sich zusammen mit ihren Geschwistern um.
Mein Sohn war sich ziemlich schnell sicher, dass das Diner im Film doch etwas anders aussah. Toll fand er es trotzdem.

Für Kinder gab es ein ziemlich süßes Frühstück – und zwar in doppelter Hinsicht. Die Pancakes kamen in Bärchenform mit Bananenaugen und Bacon-Mund auf den Tisch.

Natürlich durfte der typische amerikanische Sirup nicht fehlen.


Tipp meiner Kinder: Ein Pancake schmeckt besonders gut, wenn er im Sirup schwimmt.
Gut gestärkt fuhren wir los.
Unser erstes Ziel: Seligman.
Seligman an der Route 66
Ich hatte einen ganz persönlichen Wunsch für diesen Tag: Ich wollte Angel Delgadillo treffen.
Angel gehört zu den Menschen, die entscheidend dazu beigetragen haben, dass die historische Route 66 und Orte wie Seligman nicht völlig in Vergessenheit geraten sind.
Als der zunehmende Verkehr auf die neuen Interstates verlagert wurde, verloren viele kleine Orte entlang der Route 66 einen großen Teil ihres Durchgangsverkehrs. Seligman war davon ebenfalls betroffen.
Angel Delgadillo, der in Seligman als Friseur arbeitete, setzte sich gemeinsam mit anderen Bewohnern dafür ein, die alte Straße und ihre Orte zu erhalten.
Seine Geschichte hat mich schon vor unserer Reise fasziniert. Deshalb wollte ich ihn unbedingt persönlich treffen.
Mehr über Angel Delgadillo und seine Bedeutung für die Route 66:
Die Geschichte vom Engel der Route 66
Ein weiterer Grund, warum Seligman für meine Kinder spannend war: Die Route 66 und ihre Orte dienten als Inspiration für den Pixar-Film „Cars“.


Fast da!
Mit unserem Wohnmobil einen Parkplatz in Seligman zu finden, war kein Problem.
Eigentlich wollten wir zuerst zu Angels Laden.
Genau in diesem Moment hielt dort allerdings ein Reisebus und eine ganze Gruppe strömte hinein. Also gingen wir erst einmal weiter.
Habe ich schon erwähnt, dass die Bewohner von Seligman offenbar einen ziemlich speziellen Humor haben?
Wir holten uns ein Eis im Snow Cap. Dort nahm die Bedienung plötzlich zwei Flaschen mit Ketchup und Senf, zielte damit auf meine Tochter und drückte ab.
Ein roter und ein gelber Strahl flogen direkt auf sie zu.
Meine Tochter bekam große Augen. Ich vermutlich auch.
Dann merkten wir, dass es nur Scherzartikel waren.
Die Bedienung lachte.
Wir dann auch.

Man wusste teilweise gar nicht, wo man zuerst hinsehen sollte. Oldtimer, Flaggen, Route-66-Schilder, Figuren und überall kleine Details.




Dann entdeckten die Kinder die Autos aus „Cars“.
„Die gibt es ja wirklich!“
Damit war Seligman endgültig interessant.


Nachdem der Reisebus weitergefahren war, gingen wir in Angels Laden.
Und dann hatte ich Pech.
Angel war am Vormittag tatsächlich dort gewesen, inzwischen aber zum Essen gegangen.
Schade.
Zumindest konnte ich mir den alten Friseurbereich ansehen.

Wenn wir nun schon einmal dort waren, stöberten wir natürlich auch im Souvenirladen.
Ein paar T-Shirts fanden ihren Weg zu uns.
Natürlich mit Route-66-Zeichen. Was sonst?

Und dann erlebten wir noch etwas, das man aus unzähligen amerikanischen Filmen kennt:
Ein vertrockneter Busch rollte über die Straße.
Ein richtiger Tumbleweed.
Was ich bis dahin übrigens nicht wusste: Diese Dinger haben ziemlich viele Dornen.
Jetzt weiß ich es.

Obwohl wir auf unserem USA-Roadtrip bereits die alte Westernstadt Calico besucht hatten, fanden die Kinder auch Seligman richtig spannend.
Weiter nach Hackberry
Von Seligman ging es weiter Richtung Kingman.
Die Straße führte durch die weite Landschaft Arizonas. Immer wieder sahen wir unglaublich lange Güterzüge. Teilweise wurden sie von mehreren Lokomotiven gleichzeitig gezogen.
Solche endlosen Straßen liebe ich bis heute. Später hatte ich dieses Gefühl noch einmal in Namibia – stundenlang geradeaus durch diese riesige Weite – und Jahre später wieder im australischen Outback. Die Landschaften sind völlig unterschiedlich, aber dieses Gefühl, dass die Straße einfach immer weitergeht, ist ähnlich.
Mehr dazu:
Unsere Reise durch Namibia
Unterwegs im australischen Outback



Der nächste Stopp war Hackberry.
Wer von Seligman Richtung Kingman fährt, kommt direkt am Hackberry General Store vorbei.
Im ersten Moment könnte man denken, dort stehe einfach eine alte Tankstelle mitten in der Landschaft.
Beim näheren Hinsehen merkt man schnell, dass auf dem Gelände viel mehr zu entdecken ist.
Alte Autos, Zapfsäulen, Schilder und jede Menge Erinnerungsstücke aus der Blütezeit der Route 66 verteilen sich rund um den General Store.
Für uns war Hackberry vor allem ein Fotostopp. Genau dafür war der Ort perfekt.





Mit einem Eis in der Hand ging unsere Fahrt weiter.
Unser Abstecher nach Wikieup
Als ich unseren USA-Roadtrip geplant hatte, wollte ich meinen Kindern unbedingt die riesigen Kakteen Arizonas zeigen.
Südlich von Phoenix stehen unzählige Saguaros. Diese Region ließ sich aber einfach nicht sinnvoll in unsere Route einbauen.
Dann bekam ich den Tipp, dass es bereits rund um den kleinen Ort Wikieup große Kakteen gibt.
Also änderte ich die Route.
Haltet mich für verrückt, aber die rund 120 Kilometer zusätzlichen Weg nahm ich dafür gerne in Kauf.
Wer wusste schon, ob und wann wir noch einmal nach Arizona kommen würden?
Außerdem liebte ich es inzwischen, mit unserem Wohnmobil durch diese endlos wirkenden Landschaften zu fahren. Wir hatten alles dabei: Essen, Getränke und sogar unsere eigene Toilette.
Mit drei Kindern war das unterwegs ziemlich praktisch.
Unterwegs sahen wir sogar eine große Herde Gabelhornantilopen mit Jungtieren.
Natürlich hatte ich genau in diesem Moment das falsche Objektiv auf meiner Kamera.
Bis ich reagieren konnte, hatten die Tiere uns bereits entdeckt und liefen davon.
Schön war dieser Moment trotzdem.

Die riesigen Saguaro-Kakteen
Und schließlich fanden wir das, wofür ich den ganzen Umweg gefahren war:
die riesigen Kakteen.
Saguaros gehören für mich zu Arizona wie rote Felsen und endlose Straßen.
Genau diese Kakteen wollte ich meinen Kindern einmal außerhalb von Fotos und Filmen zeigen.



Beim Dazzo’s Desert Oasis machten wir noch einen Stopp. Direkt daneben gab es ein Restaurant, in dem wir richtig gute Hotdogs gegessen haben.
Die Kinder durften anschließend Hufeisenwerfen ausprobieren.
Der kleine Campingplatz lag zwischen Kakteen und Palmen und machte einen sympathischen Eindruck. Übernachten wollten wir dort allerdings nicht mehr.
Unser Tagesziel war Kingman.

Übernachtung in Kingman
Es war inzwischen relativ spät und wir machten uns auf den Rückweg Richtung Kingman.
Dort entschieden wir uns für den KOA-Campground.
Reserviert hatten wir wieder nicht.
Wir bekamen trotzdem noch einen freien Stellplatz – zur großen Freude der Kinder direkt neben dem Spielplatz.
Vor dem Abendessen konnten sie sich dort noch einmal ordentlich austoben.


Da wir in Wikieup bereits gegessen hatten, gab es am Abend nur noch ganz klassisch Abendbrot.
Mal keine Nudeln.
Unser erster Tag auf der Route 66
Dieser Tag war wieder einer von denen, an denen unglaublich viel passiert war.
Meine drei Kinder fanden in Seligman plötzlich „Cars“ wieder, wir frühstückten in einem amerikanischen Diner, wurden im Snow Cap mit falschem Ketchup erschreckt, stöberten zwischen Oldtimern in Hackberry und fuhren einen ziemlich großen Umweg, nur damit wir einmal vor riesigen Saguaro-Kakteen stehen konnten.
Auch nach dieser Reise war ich immer wieder alleine mit meinen Kindern unterwegs. Bei vielen Reisen durch Deutschland und die Nachbarländer, später unter anderem in Portugal und schließlich auch auf Fernreisen nach Singapur, Japan und Australien.
Aus den drei Kindern von damals sind inzwischen drei Teenager geworden. Gereist wird bei uns aber immer noch.
Am nächsten Morgen sollte unsere Fahrt auf der Route 66 weitergehen.
Von Kingman führte die Strecke über den Sitgreaves Pass nach Oatman – zu wilden Eseln mitten auf der Straße – und anschließend weiter bis nach Amboy in Kalifornien.
Hier geht unsere Route 66 Reise weiter:
Route 66 Teil 2: Oatman, wilde Esel und Amboy


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