Die Geschichte von den Schwalben im Kartoffelkorb

 



 

 

Hallo zusammen,

 

heute gibt es mal keinen Reisebericht – sondern einen Blog-Eintrag mit einer kleinen Geschichte, welche sich bei uns zu Hause abgespielt hat.

Zu dem Haus, in welchem ich meine Wohnung habe, gehört eine Garage. Diese wird aber nur in den Wintermonaten für ein Auto genutzt, ab Frühjahr stehen darin nur Fahrräder und was man sonst noch in einer Garage vorfinden kann …. An einer Wand gibt es Klipp-Befestigungen, hier kann man Gartengeräte und co einfach “hineinklipsen”, damit sie ordentlich an der Wand hängen.

Irgendwann im späten Frühling fiel mir auf, dass es in einer Ecke in der Garage seltsam dreckig war – ein Blick nach oben brachte dann die Lösung:
Ein Vogel schien auf eine Harke zu nisten. Ja genau, richtig gelesen …. eine Harke, welche an der Wand hing ….. Nach einiger Beobachtung sah ich auch, welche Vogelart es war:
Schwalben! Direkt über einer schweren Brandschutztür, welche zum Wohnhaus führt und mehrfach täglich schwer und laut ins Schloss fällt.

Genau da bauten zwei Schwalben nun geschäftig ihr neues Domizil.

Bei den Bauern hieß es früher, dass es dem Bauern viel Glück bringen würde, wenn an seinem Haus oder im Stall Schwalben nisten.

Damit die Harke nicht bewegt werden konnte, haben wir sie fest an die Wand geschraubt und bestaunten in den Folgetagen, wie sie das Nest halb auf der Harke, halb an die Wand bauten.

Ich habe mal versucht, dass grafisch darzustellen …… meine Stärken liegen eindeutig woanders,.. :oops: … aber so habt ihr zumindest eine kleine Ahnung, wie das ganze aussah …

 

Da oben auf der Harke entstand das Schwalbennest. Dadrunter ist die schwere Brandschutztür, auf der anderen Seite gehts zum Garten. Also ein ruhiges Plätzchen ist das wahrlich nicht, aber nun ….

Nach kurzer Zeit brüteten die Schwalben bereits und wir wartete gespannt, wann die kleinen Schwalben denn schlüpfen würden.

Mitte April bis Juni legt das Weibchen 3-6 Eier und brütet es 12 bis 18 Tage. Nach 20 bis 24 Tagen sind die Kleinen flügge und fliegen aus.
Etwa 60 bis 90 % der mitteleuropäischen Vögel brüten auch ein zweites Mal im Jahr.

Und dann war es endlich soweit: Die kleine Küken schlüpften und hielten ihre Eltern nun 24 Std am Tag auf Trab!

Kommt mir bekannt vor …. :mrgreen: 

Erst sah man nur die Spitzen ihrer Schnäbel, je größer sie wurden, desto mehr konnte man von ihnen sehen.

Die folgenden Fotos entstanden allesamt mit Zoom, meistens nur mit dem Handy (… weil lautlos) , um die Vögel nicht zu stören. Wobei das Klicken meiner DSLR wie ein leiser Windhauch ist, wenn man das Geräusch der zufallenden Brandschutztür oder meine spielend-tobenden Kinder entgegen setzt …..

 

 

“HUNGER!!”

 

Irgendwie hatte man das Gefühl, der Kopf der Kleinen besteht eigentlich nur aus einem riesigen Schnabel  ^^

 

Die Schwalben teilten sich die Aufzucht.

 

 

 

 

 

Bei den Schwalben in unserer Garage handelte es sich um Rauchschwalben.

Den Namen verdankt sie ihren dunklen Schwanzspießen.

Meine Kinder haben immer gesagt, das Schwalben ganz vornehme Vögel seien, denn ihre Federschwanzspitze sieht aus wie ein Frack.

Der Bestand an Rauchschwalben in Deutschland geht leider jährlich leicht zurück.
Das liegt u.a. daran, dass sie gerne – wie bei uns -in Gebäuden brüten. Wie wir aber auch erlebt haben, entsteht dadurch viel Dreck, es gibt Menschen, die dies nicht tolerieren.
Ausserdem gibt es auf dem Land immer weniger “typische” Bauernhöfe mit offenen Stallungen und Scheunen und somit weniger geeignete Brutplätze für die Rauchschwalben.
Immer mehr landwirtschaftliche Flächen werden versiegelt, so werden zB Feldwege asphaltiert und die für den Nestbau wichtigen lehmigen Pfützen fehlen so.

In Deutschland wurde die Rauchschwalbe aufgrund dieser Entwicklung in die Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Brutvögel aufgenommen.

Rauchschwalben ernähren sich von Fluginsekten, also zB Mücken und Fliegen. Bei der Jagd erreichen sie Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h und können schnell und sehr präzise ihre Richtung ändern.
Sie jagen vor allem auf offenen Feldern und Wiesen, daher sieht man sie nur äußerst selten bis nie in Stadtgebieten.

Verbreitet sind sie in ganz Europa, Nordafrika, Nordamerika und Teilen von Asien.
Zum überwintern fliegen sie nach Afrika, ca im März / April kommen sie zurück, um ihre Nester zu bauen und sich fortzupflanzen.

Die Nester bauen sie offen gehalten an senkrechten Wänden auf Gebäudevorsprüngen oder Balken.
Für den Nestbau durchsetzten sie lehmige Erdmasse in Verbindung mit Grashalmen und “kleben” das Nest so an die Wand.


Nun wisst ihr einiges über unsere Garagengäste, welche sich von uns Menschen inzwischen gar nicht mehr stören ließen und die Kinder so bei den täglichen Fütterungen oft zugesehen haben.

Aber …. je größer sie wurden, desto agiler wurden sie und beunruhigt stellte ich eines Tages fest, dass sich das Nest bereits von der Wand löste. Wir hatten die Harke zwar festgeschraubt, aber scheinbar hatte sie trotzdem noch bei jeder Bewegung der Nestbewohner leichtes Spiel.

Ich hoffte, dass das Nest halten würde ….

…. aber …..

… einen Tag später lag das halbe Nest auf dem Boden und auch leider eines der Küken,…. es hat nicht überlebt.

Ohne groß nachzudenken griff ich das Nächstbeste, was ich in der Garage fand, um es provisorisch vor dem drohenden kompletten Absturz zu sichern.

Es war ein alter Kartoffelkorb aus grünem Plastik. Ich steckte ihn direkt unter die Harke und friemelte ihn irgendwie fest, damit ich etwas Zeit gewann für eine Fahrt zum Baumarkt, um Winkel und ein Brett zu kaufen.
Kurz danach, noch bevor ich losgefahren bin, fiel ein weiterer Teil von dem Nest in den Kartoffelkorb und auch der Rest war kaum noch mit der Wand fest verbunden. Ich hoffte sehr, dass es noch solange hielt, bis ich wieder zu Hause bin, um das Brett unter dem Nest festzuschrauben

 

 

Als ich nach Hause kam, stellte ich geschockt fest, dass es dafür nun zu spät war ….. Das Nest war komplett von der Harke runtergefallen, zum Glück in den Kartoffelkorb. Aber die Küken lagen völlig regungslos in den Resten von dem Nest im Kartoffelkorb …..
Das wars dann also, dachte ich traurig und überlegte, wie ich den Kindern das nun beibringen soll….. Sie liebten die Schwalbenfamilie und sahen jeden Tag mehrmals nach ihnen, natürlich immer in sicherer Entfernung.

Deprimiert ging ich ins Haus….

…. es tat mir so leid um die Küken, sie waren so niedlich und wir haben uns so daran erfreut…. und nun das …… och man ……

…. aber dann …..

…. wenig später hörte ich sehr vertraute Geräusche aus der Garage. Das konnte doch nicht etwa ….. oder doch?

Ich ging zurück in die Garage, da waren die beiden Schwalbeneltern – und sie fütterten ihren Nachwuchs tatsächlich im Kartoffelkorb!

Wie selbstverständlich saßen sie oben auf dem Rand und die kleinen hatten einen Bärenhunger!

Sie lebten doch noch!!!

Aber was sollte ich denn jetzt machen?! Die Schwalben können ihre Jungen doch nicht im Kartoffelkorb großziehen …..

Doch, konnten sie! Ich habe mich erkundigt und mir wurde empfohlen, solange sich die Eltern kümmern, sich keinesfalls einzumischen, da es dann zur Ablehnung der Eltern gegenüber der Küken kommen könne.

Also ließ ich sie in Ruhe. Und wir konnten in den Folgetagen erstaunt feststellen, dass das Elternpärchen sich tatsächlich weiterhin fürsorglich um die Kleinen kümmerten! Im Kartoffelkorb!
Die Kleinen saßen immer auf den Resten von dem Nest und die Schwalbeneltern wechselten sich mit der Fütterung ab.
Manchmal saßen auch beide auf dem Rand von dem Korb, ein skuriles Bild.
Leider leider habe ich davon kein Foto ….. Ich hatte welche, aber nach meinem Festplattencrash meiner externen Festplatte sind leider viele Fotos verschwunden….

Bald schon kam der Tag, an dem die Kleinen das Nest verließen und wir dachten alle, dass die Schwalben nun wohl davonziehen.  Entgegen unserer Erwartungen blieben das Elternpärchen und der inzwischen große Nachwuchs aber.

Im Internet habe ich gelesen, dass manche Schwalbenpaare zweimal im Jahr brüten. Wir beobachteten, dass die Schwalben anffingen, ein neues Nest zu bauen.  Damit es nicht wieder zu einem Komplettabsturz vom Nest kommt, bat ich noch am gleichen Tag einen Bekannten, mir zu helfen. Zusammen schraubten wir eine kleine Gipsplatte direkt über die Harke und legten Teile des bereits gebauten Nestes auf diese Gipsplatte.
Und liessen die Schwalben dann in Ruhe in der Hoffnung, dass sie ihr Nest auf der Gipsplatte weiterbauen würden.

 

Und genau das taten sie!!!

 

Und alles wiederholte sich, ausser, dass nun auch der Nachwuchs vom 1. mal brüten dauernd in die Garage geflogen kam.

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Noch sah man kaum etwas, aber zu hören waren die Kleinen schon.

 

 

 

 

 

Das war sie also – die Geschichte von den Schwalbenküken, welche in einem Kartoffelkorb aufgezogen wurden!

 

Wir warten nun darauf, ob sie vielleicht wiederkommen. Die Gipsplatte haben wir extra an der Wand gelassen. Mal sehen, ob wir das in diesem Jahr auch wieder beobachten dürfen. Die Kinder (und ich mich auch) würden uns sehr freuen.

 


 

Impressionen aus meiner Heimat

 

 

 

 

 

 

 

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